Zum Inhalt springen

Johanniskraut: Wechselwirkungen, Wirksamkeit und Vorsicht

Wechselwirkungen, Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheitsvorkehrungen bei Johanniskraut.

Von Claire Mercier · Nutritionist, MSc10 Min. LesezeitVeröffentlicht am 10.09.2026
Quellen
6
Geprüfte Aussagen
7
Dominante Evidenz
Gesichert
Aktualität
10.09.2026
Johanniskraut: Wechselwirkungen, Wirksamkeit und Vorsicht
01

Kurz zusammengefasst

Johanniskraut (Hypericum perforatum) wurde bei bestimmten depressiven Beschwerden untersucht. Die Präparate sind jedoch nicht austauschbar, und Wechselwirkungen können erheblich sein.

02

1. Pflanze und Präparate

Produkte können blühende oberirdische Pflanzenteile oder Trockenextrakte enthalten. Zusammensetzung und Wirkstoffgehalt hängen von Ausgangsmaterial und Extraktion ab. Die europäische Monografie unterscheidet traditionelle und etablierte Anwendungen bestimmter Präparate, macht aber nicht jedes Produkt für jede Person geeignet. [3]

03

2. Wirksamkeit: Was ist realistisch?

Bestimmte Präparate könnten bei einzelnen leichten bis mittelschweren Depressionen helfen, doch die Ergebnisse sind uneinheitlich und nicht endgültig. Die Studien unterscheiden sich bei Extrakt, Dosis, Dauer und Population. [1][2][5]

Johanniskraut darf keine verordnete Behandlung ersetzen oder eine Abklärung depressiver Beschwerden verzögern. Eine Verschlechterung der Stimmung, Suizidgedanken, ungewöhnliche Unruhe oder schwere Symptome erfordern dringend medizinische Hilfe.

04

3. Wechselwirkungen: Warum das Risiko wichtig ist

Johanniskraut kann die Wirkung zahlreicher Arzneimittel vermindern. Es aktiviert Leberenzyme und P-Glykoprotein und kann dadurch die Ausscheidung bestimmter Stoffe beschleunigen. [0][2][3]

Betroffen sein können hormonelle Verhütungsmittel, Gerinnungshemmer, Immunsuppressiva, manche HIV- und Krebsmedikamente sowie kardiovaskuläre Arzneimittel. Die Folgen können schwerwiegend sein, etwa ein Versagen der Verhütung, eine Abstoßung nach Transplantation oder der Verlust einer wichtigen Arzneimittelwirkung. [2][3]

Außerdem kann Johanniskraut die serotonerge Wirkung bestimmter Antidepressiva verstärken und ein Serotonin-Syndrom begünstigen. Verwirrtheit, Fieber, starkes Schwitzen, Zittern, Muskelsteife oder Herzrasen nach einer Kombination müssen rasch medizinisch abgeklärt werden. [3]

05

4. Schwangerschaft, Stillzeit und Risikogruppen

Die Sicherheitsdaten reichen nicht aus: Schwangerschaft und Stillzeit erfordern vor einer Einnahme fachlichen Rat; konzentrierte Präparate sollten vorsichtshalber nicht zur Selbstmedikation verwendet werden. [2][3]

Besondere Vorsicht gilt bei Lebererkrankung, bipolarer oder psychotischer Erkrankung, Autoimmunerkrankung, Transplantation oder mehreren Medikamenten. Bei Kindern ist ärztlicher Rat erforderlich.

06

5. Nebenwirkungen und Sonne

Sonnenlicht kann das Risiko von Hautreaktionen erhöhen. Möglich sind außerdem Übelkeit, Durchfall, Schwindel, Unruhe und Schlafstörungen. Das Profil hängt vom Präparat und vom Hyperforin-Gehalt ab. [0][3]

07

6. Werbeaussagen einordnen

„Natürlich“ bedeutet nicht automatisch sicher. Eine Studie zu einem Extrakt bestätigt keine andere Kapsel. Auch ein Produkt mit niedrigem Hyperforin-Gehalt erlaubt nicht, Begleitmedikamente zu ignorieren. [2][3]

08

Fazit

Johanniskraut zeigt bei manchen leichten bis mittelschweren Depressionen ein mögliches Signal, doch die Evidenz ist uneinheitlich. Wechselwirkungen können die Wirkung von Arzneimitteln vermindern oder gefährliche Effekte auslösen. Vermeiden Sie Selbstmedikation und lassen Sie das konkrete Produkt prüfen.

09Häufige Fragen

01Wirkt Johanniskraut gegen Depressionen? Einige Präparate könnten bei leichten oder mittelschweren Beschwerden helfen, ersetzen aber weder Abklärung noch verordnete Behandlung.
02Kann es die Pille unwirksam machen? Ja. Europäische Behörden weisen auf eine mögliche verringerte Wirksamkeit hormoneller Verhütung hin.
03Kann man es mit einem Antidepressivum kombinieren? Nicht ohne ärztlichen Rat: Das Risiko serotonerger Nebenwirkungen kann steigen.
04Darf man es in der Schwangerschaft einnehmen? Die Daten reichen nicht aus. Holen Sie Rat ein und vermeiden Sie konzentrierte Präparate ohne Überwachung.
10

Quellen

  1. 01NCCIH, 2025 — https://nccih.nih.gov/health/st-johns-wort
  2. 02NCCIH, 2025 — https://nccih.nih.gov/health/st-johns-wort-and-depression-in-depth
  3. 03EMA/HMPC, 2022-2023 — https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-european-union-herbal-monograph-hypericum-perforatum-l-herba-revision-1_en.pdf
  4. 04EMA/HMPC, 2023 — https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-opinion/opinion-hmpc-european-union-herbal-monograph-hypericum-perforatum-l-herba-revision-1_en.pdf
  5. 05Cochrane, 2008 — https://cochrane.org/de/evidence/CD000448_st-johns-wort-treating-depression

Quellen

Peer-reviewte Studien und institutionelle Referenzen für diesen Artikel.

  1. 1NCCIH· 2025
    Offizielle LeitlinieGesichert
    Quelle ansehen
  2. 2NCCIH· 2025
    Systematische ÜbersichtsarbeitWidersprüchlich
    Quelle ansehen
  3. 3NCCIH· 2024
    Offizielle LeitlinieGesichert
    Quelle ansehen
  4. 4EMA/HMPC· 2023
    Offizielle LeitlinieGesichert
    Quelle ansehen
  5. 5EMA/HMPC· 2022
    Offizielle LeitlinieGesichert
    Quelle ansehen
  6. 6Cochrane· 2008
    Systematische ÜbersichtsarbeitWidersprüchlich
    Quelle ansehen

Diskussion

0

Noch keine Kommentare.

Bald verfügbar

Von

Claire Mercier

Registered nutritionist focused on whole-food diets and metabolic health.

Weiterlesen